Motorrad fahren für Anfänger - Tipps und Tricks für Einsteiger


 
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Wer eignet sich?


Motorradfahrer sind, wie die Bezeichnung schon sagt, Frauen und Männer, die hauptsächlich Motorrad fahren. Hardliner und Puristen, die auch bei Regen und Schnee ihre Maschine einem Auto vorziehen, sonst würde man sie ja passender Autofahrer nennen. Logisch oder?
Es gibt inzwischen sogar Schneeketten für Motorräder und Elefantentreffen, bei denen Motorradfahrer im Winter zusammen Feuer machen und zelten.
Den Titel "Biker" muss man sich also wie einen Doktortitel verdienen und kann ihn nicht einfach bei BMW bestellen.
Sogenannte Nichtfahrer oder Sonntagsfahrer mit Saisonkennzeichen gehören damit, trotz Lederjacke mit Totenkopfaufnäher, nicht dazu. Im Gegenteil. Sonntagsfahrer (mit neongelber Warnweste) röööhren an friedlichen Wochenenden mit illegal lauten Auspuffanlagen zur Eisdiele, erregen den Unmut der Anwohner und sorgen so dafür, dass immer mehr Strecken für Motorräder gesperrt werden.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Statt born to be wild nur noch Weicheier mit Warnwesten. Bei Harleys redet man daher inzwischen statt von Harley Fahrern nur noch von Harley Nichtfahrern bzw "Harley owners clubs" also Harley Besitzer Clubs aber nicht mehr von Motorradfahrern.
 
Ein Land voll Blender und Hochstapler, von Guttenberg bis Schavan. Da bei Posern und Sonntagsfahrern der Wert der Fahrzeuge entgegen jeder Vernunft ihre jährliche Kilometerfahrleistung übersteigt, wäre es am besten, den Motorradführerschein wie bei Piloten an eine jährliche Mindestfahrleistung von sagen wir 20.000 km zu binden, um die Freiheit der echten, täglichen Motorradfahrer (deren Fahrzeuge genau so leise sind wie Autos) vor zunehmenden Verboten zu retten.
 
Allerdings sind Angeber bzw. Poser gerade die Leute, die die politisch einflussreiche Industrie ausnehmen kann, wie eine Weihnachtsgans. Niemand sonst verfügt über so wenig technisches Wissen und lässt sich daher von geschulten Verkäufern so leicht den neuesten Murks aufquatschen den sie gar nicht braucht. Dummheit lässt sich nicht verbieten.
 
Da das Fahren eines Motorrades für Dummies, Einsteiger und Anfänger nicht schwer ist, eignet sich jede kräftige Person, der Fahrtwind, Regen und Kälte nichts ausmachen.
Tip: Aus gesetzlicher Sicht muss man in Deutschland zum Fahren eines Motorrades mindestens 16 für 50ccm Roller und 125 Maschinen bzw. für grosse Motorräder 18 Jahre alt sein.
Wo wir schon gerade beim Gesetz sind noch der Hinweis, daß mit den Worten "Biker" oder zu deutsch "Motorradfahrer", selbstverständlich auch Frauen gemeint sind und diese dadurch nicht diskriminiert werden.
Motorradfahrer halten zusammen und geben Handzeichen beim Fahren. Dieses von Anfängern oft als "Gruss" missverstandene Signal hat eine lange Tradition und bedeutet: "Keine Polizeikontrolle, freie Fahrt!".
 

Was spricht dafür?


Die meisten Leute jeder Altersklasse entscheiden sich wegen des hohen Spaßfaktors dazu, Motorrad zu fahren. Es ist damit das absolute Gegenteil von langweiligen, fahrerlosen Autos.
Es gibt jedoch noch viele weitere Gründe die für das Fahren eines Motorrades sprechen.
 
Sicher haben auch sie zum Beispiel schon einmal vergeblich nach einem Parkplatz für ihren PKW gesucht (siehe auch Geldanlage Parkhäuser ARD PlusMinus vom 25.02.2015) oder standen in Stau.
Einen kostenlosen Abstellplatz für ein Motorrad findet man so gut wie immer und vernünftige Polizisten dulden, daß Motorradfahrer vorsichtig zwischen stehenden PKW weiter fahren. In den Niederlande und Grossbritanien ist das ganz normal.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Außerdem sind Motorräder noch vom Einfahrverbot in die Umweltzonen deutscher Großstädte ausgenommen. Ein normales Motorrad fährt ohne Atomstrom, günstiger, pünktlicher und flexibler als die öffentlichen Verkehrsmittel oder die Bahn und verbraucht bei höherer Geschwindigkeit weniger Treibstoff und stößt dadurch weniger Schadstoffe und Kohlendioxid CO2 aus als ein PKW gleicher Klasse.
Auch die Anschaffung ist deutlich günstiger. Kleine, wendige und alltagstaugliche Motorräder bekommt man schon ab 1000 Euro.
 
Ein Motorrad ist weniger anspruchsvoll in der Wartung und zumindest für Fahrer ab 18 Jahren um bis zu 90% günstiger in der Haftpflichtversicherung, da im Falle eines Unfalles mit einem Motorrad nicht so viel Schaden angerichtet werden kann wie mit einem PKW gleicher Klasse (Fahranfänger zahlen für 27PS und 6000 km nur ca. 100 Euro pro Jahr für Haftpflicht).
 
Die Kfz-Steuer entspricht mit 1,84 Euro pro Jahr je angefangene 25 ccm der für PKW mit der Ausnahme daß es (zumindest noch) keine Unterschiede nach Euro Abgasnormen gibt. Für Krafträder bis 125 ccm müssen keine KFZ Steuern bezahlt werden.


 

Was spricht dagegen?


Motorräder werden von Autofahrern häufig beim Ausparken oder Überholen im toten Winkel übersehen. Dabei ist das Rammen eines Motorradfahrers keine gefährliche Körperverletzung. Autofahrer unterschätzen leicht die Geschwindigkeit, mit der sich ein Motorrad nähern kann.
 
Da es bei einem Motorrad keine sogenannte Knautschzone und keine Airbags wie beim PKW gibt, ist der Fahrer eines Motorrades im Falle eines Unfalles einem wesentlich höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt. Motorrad fahren gillt jedoch bei den Lebensversicherungen in Deutschland noch nicht als Risikosportart.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Motorradfahrer werden häufig als Raser bestraft, obwohl nur selten reelle Gefahr besteht, wenn diese mit ihren wendigen Maschinen für LKW und zum abkassieren ausgelegte Geschwindigkeitsbeschränkungen überschreiten.
 
Einige Straßen zum Beispiel vor Krankenhäusern sind zudem nachts für alle Motorräder gesperrt, obwohl zumindest moderne Motorräder deutlich leiser sind oder zumindest die gleichen Lärmemissionsvorschriften erfüllen wie moderne Autos. Gerechter wäre eine Sperrung für Fahrzeugen abhängig von ihrer Lautstärke in Dezibel; einer Information die ansonsten im Fahrzeugschein nicht notwendig wäre.
 
Für Leute die bereits Inhaber eines Autoführerscheins sind und denen es mehr auf den Spaß als auf die günstigere Versicherung ankommt, gibt es viele alternativen zum Kraftrad, für die man keinen Motorradführerschein benötigt. Eine kleine Auswahl findet man auf Motorradmessen.
 

Es geht los

Wenn Sie sich als Einsteiger in Deutschland für das Fahren eines Motorrades bzw. eines Motorrollers entschieden haben, gilt es zunächst den Führerschein der Klasse A bzw. A1 zu erwerben.
 
Die Klasse A1 kann mit 16 Jahren erworben werden, berechtigt nur zum Fahren von Motorrädern und Motorrollern bis 125 ccm bei maximal 11 kW oder 15 PS und war im 3er Autoführerschein bis zum 01.04.1980 bereits enthalten. Wer mindestens zwei Jahre lang eine Klasse A1 oder einen Autoführerschein von vor dem 01.04.1980 besitzt, kann ab dem 19.01.2013 mit nur einer praktischen Prüfung auf die A2-Lizenz für gedrosselte Motorräder bis 48 PS bei mindestens 175 kg aufsteigen. Ob das Motorrad innerhalb Deutschlands ungedrosselt mehr als 70 kW haben darf und ob es einen Bestandschutz für bereits erteilte Führerscheine gibt, darüber streiten sich die Politiker der Bananenrepublik Deutschland noch. Ausserhalb Deutschlands gillt jedenfalls diese EU Regel.
Wer seinen Autoführerschein vor dem 19.01.2013 gemacht hat, darf damit auch einen Motorroller Piaggio mp3 fahren.
 
A1 Motorrad Einsteiger also Anfänger, die ihr 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, mussten 125 ccm Maschinen auf 80 km/h drosseln (entfällt ab 19. Januar 2013), was die Versicherungskosten drastisch erhöht.
 
Inhaber eines neueren Autoführerscheins der Klasse B dürfen mit der enthaltenen Fahrerlaubnis der Klasse M (ab 19.01.2013 AM) lediglich Motorräder und Roller bis 50 ccm fahren. Solche Fahrzeuge dürfen nicht auf die Kraftfahrstraßen, kosten keine KFZ Steuern, benötigen lediglich ein Versicherungskennzeichen für ca. 60 Euro pro Jahr und müssen nicht zum TÜV. Der Fahrer ist für den verkehrssicheren Zustand seines Fahrzeuges selber verantwortlich. Das gleiche gillt für ein Segway. Padelecks bis 6 km/h dürfen dagegen frei gefahren werden siehe SWR Marktcheck vom 30.08.2016. Ein Airwheel und ein Hooverboard im öffentlichen Raum zu fahren ist dagegen eine Straftat.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Zum Erwerb einer Fahrerlaubnis der Klasse A ab einem Alter von 24 Jahren mussten abhängig von bereits vorhandenen Fahrkenntnissen für die 14 Theoriestunden, die 12 Pflichtfahrstunden sowie für die Prüfungen und den TÜV ungefähr 1500.- Euro und 4 bis 8 Wochen einkalkuliert werden.
Ein Motorradführerschein ist etwas teurer als der für einen PKW, da der Fahrlehrer in einem zweiten Fahrzeug mitfahren muss.
 
Falls Sie unter 25 Jahre alt waren, bekamen Sie zunächst den Stufenführerschein A beschränkt, mit dem Sie nur Maschinen bis maximal 34 PS oder 25 kW bei mindestens 150 kg Gewicht fahren durften.
 
Nach zwei Jahren oder wenn sie beim Erwerb des Führerscheins bereits älter waren, durften Sie bisher ohne eine weitere Prüfung beliebig starke Maschinen fahren.
 
Dieses ist ab dem 19.01.2013 mit der Führerscheinklasse A2 nun anders: Fahranfänger zwischen 18 und 23 Jahren dürfen ab sofort Maschinen bis zu 35kw (48 PS) bei 175 kg Gewicht bei einem Leistungsgewicht von 0,16 kW/kg fahren, müssen nach zwei Jahren jedoch zum Erlangen der offenen Klasse A erneut eine praktische Prüfung ablegen.
 
Einzig positive: ab dem selben Datum kann die Klasse B96 im Gegensatz zu BE zum Transport der Motorräder auf einem PKW Anhänger über 750 kg ohne praktische Prüfung und damit günstiger erworben werden.
 
Wer trotz Beschränkung den von aussen nicht sichtbaren Drosselsatz seines Motorrades ausbaut und die Maschine offen fährt, liefert seiner Versicherung im Fall eines Unfalls den perfekten Grund, um sich vor der Übername des Schadens zu drücken. Gutachter finden sowas.
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Fahren lernen


Prinzipiell fährt sich ein Motorrad wie ein Auto. Es gibt eine Kupplung, Gas und gleich zwei Bremsen. Diese Bedienelemente sind jedoch etwas anders angeordnet.
Sowohl beim Roller als auch beim Motorrad befindet sich das Gas rechts am Griff. Zum Beschleunigen muss man den Gasgriff gegen den Uhrzeigersin drehen. Warum? Damit man im Fall einer Vollbremsung nicht ausversehen Gas gibt. (Bei Quads wird das Gas mit dem Daumen gesteuert).
Motorroller haben weder einen Kupplungs- noch einen Schalthebel (höchstens Tiptronic). Normale Motorräder jedoch schon. Der Kupplungshebel befindet sich links am Lenker. während die Kuppkung gezogen ist, können mit dem linken Fuss die Gänge eingelegt werden.
Der 1. Gang ist ganz unten. Danach kommt stufenweise der Leerlauf, gefolgt von den Gängen 2 bis 5. (Bei einigen Motorrädern zB. in Südamerika ist diese Reihnfolge genau anders herum. Bei Motorrädern in Indien, werden die Gänge mit dem rechten Fuss geschaltet. )
Der Hebel am rechten Lenker bedient in der Regel die Vorderbremse. Das Pedal am rechten Fuss steuert die Bremse am Hinterrad. Einige Motorräder haben inzwischen Kombibremsen, die im Verhältnis 75:25 gleichzeitig vorne und hinten bremsen.
Wie ihr seht: es ist alles ganz einfach. Ungefähr so hat mir das mein Händler damals auch erklärt, als ich mein erstes Motorrad gekauft habe ;)
Bevor man sich jetzt aber auf öffentliche Strassen traut ( in vielen Ländern in Asien braucht man für das Mieten kleiner Motorräder keinen Führerschein) oder einen teuren Fahrlehrer bezahlt, sollte man erstmal üben üben üben.
In einigen Städten in Deutschland gibt es zum fahren lernen sogenannte Übungsplätze. Ansonsten reicht jedoch auch ein abgesperrtes Privatgrundstück. Grundfahraufgaben wie der langesame Slalom oder das Kreisen mit Lenkereinschlag aber auch Vollbremsungen (bzw das Einparken beim PKW) lassen sich auch dort problemlos üben. Als Hütchen verwendet man einfach ausgewaschene Joghurtbecher.
 

Die notwendigen Klamotten


In Europa ist das Tragen eines Helmes zB. MTR S7 vorgeschrieben. In Deutschland laut § 21a StVO auf dem Kopf, in Italien wie es aussieht locker am Arm ;)
Hier geht es zur Wahl der richtigen Motorradklamotten. Der Preis ist hier, wie bei so vielem, keine Garantie für Qualität. In Deutschland müssen alle Integralhelme die gleichen Sicherheitsnormen Helmnorm ECE-R 22.05 Bzw E13 erfüllen. Ein günstiger Helm schneidet im Sicherheitstest der Zeitschrift MOTORRAD 25/2008 nicht schlechter ab, als ein viel teurer Markenhelm siehe auch Artikel in MOTORRAD Ausgabe 21 vom 30.09.2016: "Die von MOTORRAD getesteten Billigheimer der Helmszene stehen den Premiummodellen in Sachen Stoßdämpfung in nichts nach." Im Gegenteil. Manche teuren Helme schneiden deutlich schlechter ab als günstige, weil sie zu sehr auf ein leichtes Gewicht optimiert wurden.
 
Des weiteren empfehle ich Motorradhandschuhe und eine winddichte Motorradjacke mit CE Protektoren so wie eine Motorradhose , da sonst laut einem Urteil OLG Düsseldorf vom 20.2.2006 bei einem Unfall das Schmerzensgeld gekürzt werden kann.
 
Die Deutschen sind dafür bekannt, paranoid zu sein. Ein Wunder dass sich überhaupt noch Leute aus dem Haus trauen...es könnte ja was passieren. In anderen Ländern fährt man ohne Helm in Flip Flops und T-Shirt und hier jammert manche selbst bei einer Textil Vollausrüstung.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Ergänzend daher: Lederklamotten sind etwas teurer, nicht so warm und wetterfest aber dafür flattern sie auch nicht bei schneller Fahrt und bieten bessere Reibwerte im Fall eines Falles. Leider hat man heutzutage jedoch nur selten genug Platz um langsamer zu werden und einen Kombi durch zu scheuern. Meist knallt man direkt gegen geparkte Autos, den Unfallgegner oder eine Leitplanke.
 
Der praxisfremde "gute" Ratschlag, für jede noch so kleine Fahrt die volle Montor zu tragen, sich ständig um zu ziehen und den Kram dann mit sich herum zu schleppen kommt in Motorradforen immer wieder von Neurotikern, die aus Angst gar nicht erst Motorrad fahren, sondern das Auto für die tägliche Fahrt zur Arbeit etc. nehmen. Man nennt sie auch Sonntagsfahrer
 
Motorrad fahren für Anfänger
Oder wer fährt mit Neckbrace & co zum Bäcker oder möchte sich vor dem täglichen Weg von und zur Arbeit morgens bei 5°C in eine Lederhaut zwängen? Oder bei 30 Grad?
Hier stellt sich nicht die Frage welche Jacke oder Hose sondern ob überhaupt Jacke oder Hose oder lieber Jeans und T-Shirt verwendet werden sollen.
 

Brauch ich 100 PS?


Motorräder werden von Jahr zu Jahr immer grösser und stärker. Während in Südamerika und Asien Motorräder mit 125ccm Standart sind und selbst zum transport von 2 Kühe oder eine Weltreise reichen, meint in Deutschland jeder Sonntagsfahrer eine Maschine mit mindestens 100 PS zu benötigen. Warum?
 
Motorrad fahren für Anfänger
Die Höchstgeschwindigkeit eines Motorrades mit 50 ccm liegt gesetzlich bei 45 km/h, physisch (bei offenen DDR Schwalben und alten Vespas ) bei ca 60 km/. Praktisch jedes Motorrad mit 125 ccm erreicht zwischen 80 und 100 km/h und selbst jede 20 Jahre alte Honda CB500 oder Transalp erreicht locker 160 km/h. Wer braucht wirklich mehr?
 
Heutzutage verkauft sich selbst eine Reiseenduro nicht mehr mit weniger als 1200ccm und mintestens 100 PS. Damit erreicht selbst ein untallentierter Fahranfänger die Höchstgeschwindigkeit von mehr als 200 km/h in weniger als 10 Sekunden. Und dann?
 
Der Spritverbrauch eines Motores steigt mit seinem Hubraum. Bei jeder Umdrehung müssen die Zylinder ja komplett mit Kraftstoffgemisch gefüllt werden, ob man nun Vollgas fährt oder nur mit 50 km/h durch die Stadt eiert. Auch werden Reifen durch den vorgeschrieben hohen Geschwindigkeitsindex teurer, auch wenn man tatsächlich nie so schnell fährt.
 
Folglich fährt man mit jedem Motorrad mit mehr als 125 ccm nach wenigen Sekunden der Beschleunigung so gut wie immer in ein einem unökonomischen und unökologischen Bereich, in dem man die mögliche Leistung des Motores nicht nutzt und verbrennt damit teuren Treibstoff für nichts und belastet die Umwelt. Ist das cool oder dumm?
 
Es wird sogar noch absurder: Damit Anfänger mit dieser übermässigen Leistung überhaupt klar kommen ohne sich auf die Nase zu legen müssen Motorräder mit verschiedenen Mappings wie "Regenprogram" oder "Touren" elektronsich gedrosselt werden. Nur im Sportmodus liegt dann wirklich die volle Leistung zur Verfügung.
 
Ausserdem brauchen die meisten Fahranfänger elektronsiche Helfer wie eine Antriebsschlupfregelung, ESP oder ABS, um derartige Geschoss überhaupt noch kontrollieren zu können. Ohne diese würde das Hinterrad beim starken Beschleunigen vor allem auf losem Untergrund einfach durchdrehen und seitlich weg rutschen und die ebenso überdimensionierten Bremsen würden für einen Abflug über den Lenker sorgen. Braucht ein 200 kg Fahrzeug also wirklich 100 PS?
 

Die erste Maschine


Wenn Sie sich nicht schon zum Üben auf abgesperrtem Privatgelände und sparen teurer Fahrstunden ein Motorrad gekauft haben, so dürfte dieses ihr nächster Schritt sein. Worauf man beim Kauf achten sollte, finden sie hier.
Da es jedoch sehr viele verschiedene Arten von Motorrädern gibt, haben Sie die Qual der Wahl. Bevor du machen kannst was du willst, musst du nämlich erstmal wissen was du willst:
 

1. Crosser leicht mit viel Federweg für Fahrten im Gelände.
2. Enduros mildere Crosser mit Licht und Straßenzulassung.
3. Reiseenduros bequem zum Reisen mit Gepäck auch auf Schotterwegen.
4. Tourer für schnelles Reisen mit Gepäck auf asphaltierten Straßen.
5. Nacked Bikes ohne Verkleidung gut für die Fahrt zur Arbeit ohne Schnickschnack.
6. Sportler für sehr schnelle Fahrten auf Rennstrecken gebaut.
7. Cruiser tief und breit für gemütliche Ausflüge auf der Landstraße.
8. Chopper mit langer Gabel, hohem Lenker, vorverlegten Fußrasten
und V2 Motor ausgerüstet.
9. Custom Bikes zu showzwecken individuell umgebaute Motorräder.
10. Roller einzylinder Fahrzeuge mit stufenloser Automatikschaltung

Dabei ist zu beachten, dass Harleys und BMWs im Consumer Report als weniger haltbar gelten als Motorräder japanischer Hersteller. Während Honda den 50.000 km Test inzwischen ohne messbaren Verschleiss schafft, machen vor allem BMWs in Zeitschriften immer wieder durch Motor und Getriebeschäden 1, 2, 3. (klick) (klick) (klick) und Rückrufen wegen Qualitätsmängeln bei weniger als 50.000 km von sich reden. Zitat der Experten der Zeitschrift MOTORRAD 21/2009: "Auffällig ist auf jeden Fall, dass nach wie vor japanische Maschinen kaum von Desastern betroffen sind. Die Japaner waren immer schon vorn bezüglich Qualität und Verarbeitung, daran hat sich im Grundsatz nichts geändert."
 
Dabei sollte in dieser Preisklasse eine Haltbarkeit von weit mehr als nur 50.000 km selbstverständlich und keine positiv zu erwähnende Überraschung sein. Immerhin schaffen das selbst einige 600 Euro Baumarktroller aus China.
 
Anfängern empfehle ich daher unbedingt eine gebrauchte Maschine eines japanischen Herstellers. Diese gelten nicht umsonst als extrem zuverlässig und haben pro Kilometer und pro Kratzer oder Umfaller keinen so hohen Wertverlust. Anfängerfehler passieren einfach.
 
Ein Neufahrzeug hat immer einen höheren Wertverlust als ein gebrauchtes, egal bei welcher Marke. Wenn aber eine 15.000 Euro BMW in einem bestimmten Zeitraum nur 50% Wertverkust hat, ist das netto bereits mehr als viele Japaner komplett kosten.
Damit wäre ein 7000 Euro Japaner effektiv immer noch günstiger, selber wenn er im gleichen Zeitraum 99% Wertverlust hätte (was reell natürlich nicht vorkommt).
Gebrauchtfahrzeuge kann man oft zum gleichen Preis und damit komplett ohne Wertverlust verkaufen. Versuch das mal mit einem Neufahrzeug ;-)
 
Motorrad fahren für Anfänger
Besonders wartungsarme, haltbare und günstige Anfängermotorräder für unter 1000 Euro sind zum Beispiel für kleine Menschen die Kawasaki EL 250, Yamaha Virago 535 mit Kardanantrieb oder die Suzuki Savage mit Riemenantrieb.
Ansonsten werden meist die üblichen Verdächtigen verwendet: Honda NTV 650 Revere mit Kardan , Honda CX 500 mit Kardan, Honda CB 500, Suzuki GS 500, Kawasaki ER5 oder GPZ.
 
Für gross gewachsene Menschen empfehle ich Reiseenduros wie die Honda Transalp oder AfrikaTwin, Yamaha XT 600/660, Suzuki DR 650/800 oder Kawasaki KLR 650 oder Enduros wie Suzuki DRZ400 bzw. Yamaha TT600.
 
Wenn es etwas mehr Leistung sein soll geht die Empfehlung eindeutig je nach Budget an die wartungsarmen Kardantourer wie Honda Deauville, Honda Pan European, Yamaha XJ 900 oder die etwas modernere Yamaha XJ 900 Diversion oder an die sportliche Honda CBR.
 
Auf Grund einiger Nachfragen: Bewährte 125er sind die Yamaha SR 125, Honda Schadow 125, Honda CG 125, Yamaha Virago 125, Yamaha YBR 125 oder als Sportler die Honda CBR 125.
 
Als Roller empfehle ich auf Grund zahlreicher Fragen durch die Glaskugel den Piaggio Sfera 50, Peugeot Ludix 50, Piaggio Sfera 125, Honda SH 125, Honda SH 300 oder Suzuki Burgman 650.
 
Wer keinen Motorrad Führerschein hat, darf mit dem Autoführerschein von vor 2013 den Motorroller Piaggio mp3 fahren.
 
Finger weg von Noname / Chine / Baumarktrollern etc. Für diese Exoten gibt es keine Filialen und man bekommt nach einigen Jahren kaum noch Ersatzteile. Wegen der gesicherten Ersatzteilversorgung lieber weit verbreitete Fahrzeuge von bekannten Herstellern kaufen.
 
Die Langlebigkeit von Motorrädern lässt sich recht einfach durch das Studieren von Gebrauchtanzeigen herausfinden. Angebote zB. von Yamaha XJ 900 Motorrädern mit einem Tachostand von mehr als 200.000 km sind keine Seltenheit und sprechen für Qualität.
 
Viele Händler bieten gebrauchte Motorräder mit einem Jahr Gewährleistung an, die Sie vor bösen Überraschungen bewahren soll. Gebrauchte Motorräder werden auch in Zeitungen oder im Internet angeboten. Bei ihnen ist der Schaden durch Wertverlust geringer, als bei einem Neufahrzeug. Ausserdem sind eventuelle Schwachstellen bereits bekannt. Ein Preisvergleich lohnt sich also.
Aufgrund der geringeren Nachfrage sind Motorräder im Herbst oder Winter günstiger, als im Frühling. Solange Sie jedoch nicht wissen worauf Sie beim Kauf eines Motorrades achten müssen, empfiehlt es sich in jedem Fall, einen sachkundigen Bekannten zur Besichtigung und Probefahrt mit zu nehmen.
 

Die wichtigsten Punkte


Neben dem optischen Eindruck wie Schleifsuhren die auf einen Unfall hin deuten oder dem Kaltstartverhalten, gibt es noch weitere Punkte die man relativ einfach überprüfen kann:


Fährt das Motorrad freihändig geradeaus?
Hat die Bremsscheibe Riefen? Sind die Bremsbeläge OK?
Haben die Radlager vorne und hinten seitliches Spiel?
Hat das Lenkkopflager leichte Rastpunkte?
Ist der Scheinwerferspiegel angelaufen?
Funktionieren Licht, Blinker und Bremslichtschalter?
Verriegelt das Lenkerschloss richtig?
Gibt es Zweitschlüssel auch für Koffer und Topcase?
Klemmt der Chokezug? Wie sehen die Kerzen aus?
Ist der Tank innen rostfrei?
Haben die Reifen überall noch mehr als 1,6 mm Profil?
Steht in den Papieren eine teure Reifen oder Markenbindung?
Ist das Windschild original, eingetragen oder mit ABE?
Wurden eventuelle Änderungen ohne ABE eingetragen?
Hat das Motorrad noch TÜV und AU (ab EZ1989 alle 2 Jahre fällig)?
Läßt sich die Kette weit vom Kettenrad abheben?
Ist die Kette ungleichmäßig gelängt?
Ist genug Öl im Motor? Wann wurde es gewechselt?
Drückt Öl aus den Motordichtungen?
Erreicht das Motorrad seine Höchstgeschwindigkeit?
Hat das Importfahrzeug einen Seitenständerschalter?
Für Österreich: Ist Verbandszeug vorhanden?
Für Italien: Hat der mitgelieferte Helm ein Prüfzeichen?

 
Motorrad fahren für Anfänger
Nach dem Kauf ihres Motorrades müssen Sie mit einer "Doppelkarte" bzw EVB Nummer ihrer Versicherung, dem Fahrzeugbrief ihres Motorrades so wie ihrem Personalausweis zur KFZ Zulassungsstelle gehen und das Motorrad zulassen.
Anschließend erhalten Sie den Fahrzeugschein und ein Kennzeichen (Weicheier erhalten ein Saisonkennzeichen).


Es geht los


 
Motorrad fahren für Anfänger
Nach dem Sie nun so viele Hürden erfolgreich gemeistert haben ist es verständlich daß Sie sofort zu ihrer ersten Tour aufbrechen möchten.
Vorher sollten Sie jedoch noch folgendes beachten:
Es ist vor allem bei kaltem Wetter wichtig, das Motoröl mit niedriger Drehzahl langsam warm zu fahren, bevor sie richtig Gas geben.
Außerdem ist es vernünftig selbst an heißen Tagen abriebfeste Motorradklamotten mit Protektoren zu tragen. Schon hinter der nächsten Kurve könnte Streugut liegen.
 

Werterhaltung durch Wartung


Damit ein Motorrad zuverlässig funktioniert, ist wie bei jedem anderen Fahrzeug auch eine regelmäßige Pflege und Wartung nötig.
Je nach Erfahrung kann man dabei zumindest bei älteren Maschinen ohne Bordcomputer die meisten Dinge selber erledigen.
 
Um sich viel Ärger zu ersparen sollte man außerdem länderspezifische Vorschriften beachten. Die Sicherheit wird überall als Vorwand genutzt, um die Menschen legal aus zu rauben. In jedem Land gelten dafür andere komische Vorschriften.
So darf zum Beispiel in Europa das Reifenprofil beider Räder an keiner Stelle weniger als 1,6 mm betragen, obwohl die gleichen Grenzwerte für Wohnmobile und Motorräder physikalisch keinen Sinn machen. Ohne Grenzwerte kann man die Menschen jedoch nicht abkassieren. So braucht man nur in Deutschland bei neuen Motorrädern meist eine entsprechende Reifenfreigabe der Hersteller. Selbst in der Schweiz und in Österreich so wie in allen anderen Ländern dieser Welt dagegen nicht.
In Kambodscha ist es zur Sicherheit verboten, tagsüber mit Licht zu fahren, in Kolumbien dürfen sicherheitshalber nicht zwei Männer auf ein Motorrad, in Brasilien darf man sicherheitshalber nicht mit offenem Visier fahren und in Thailand dürfen Motorräder sicherheitshalber nicht auf die Autobahn. In Deutschland ist das kein Problem.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Nach ungefähr 250 km oder einer Fahrt im Regen sollte die Kette geölt werden. Dabei sollte auch gleich die Spannung der Kette kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden. Die Kette sollte je nach Motorradtyp zwischen 3 cm und 5 cm durchhängen können. Eine zu straffe Kette kann reißen und/oder den Motor beschädigen. Eine zu lockere Kette kann abspringen und das Hinterrad blockieren.
 
Vor jeder größeren Ausfahrt sollte man die Bremsbeläge kontrollieren. Bei Scheibenbremsen verwendet man dazu am besten eine Taschenlampe. An einer Trommelbremse befindet sich meist ein Zeiger der bei gedrückter Bremse die Dicke der Bremsbeläge anzeigt.
 
Mindestens einmal im Jahr oder alle 10.000 Strassenkilometer sollte man der Industrie zur Liebe alle Flüssigkeiten und den Ölfilter auswechseln.
während der Garantiezeit solltest man das sehr ernst nehmen. Nicht wegen der Maschine, sondern weil sich die Hersteller bei fehlenden Stempeln im Service Heft herausreden können und eventuelle Schäden, die selbst bei korrekter Wartung auftreten können, wie BMW immer wieder eindrucksvoll beweist 1) 2) 3) 4) 5) 6) , auf mangelnde Wartung schieben und ev. nicht zahlen.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Das Motorrad selber kann nicht lesen. Ihm ist es egal welcher Name auf dem Öl steht dass man einfüllt. Ich fahre seit mehr als 100.000 km mit 10W40 Autoöl von Real. 5 Liter kosten 12 Euro. Hier verdienen Konzerne milliarden damit, indem sie ihren Kunden Angst machen und unnötige Teile verkaufen siehe ZDF Zoom vom 26.08.2015.
Es muss nur einfach genügend Öl drin sein und es sollte sauber sein (einen Tropfen vom Messstab zwischen den Fingern reiben und schaun obs gut schmiert. Wenns grisselig wird, mit samt dem Filter wechseln unabhängig davon wie alt es ist.
(Weisse Ablagerungen im Öl deuten auf zu viel Kurzstrecke hin. Hier den Motor mal richtig heiss fahren statt Öl wechseln).
 
Der Motor mag ausserdem kein falsches Spiel an seinen Ventilen und keine gerissenen Steuerrimen (beim Auto und Ducati). Für mein Motorrad schreibt Honda einen Wartungsintervall von 12.000 km vor. Ich habe die Ventile alle 50.000 kontrolliert. Ergebiss bei meiner Honda nach 200.000 km: Alles ok.
 
Ausserdem sollten bewegliche Verbindungen wie die Schwingenlager genügend gefettet sein (Radlager sind heute meist gekapselt und daher Wartungsfrei). Die Wartungsinterwalle hier hängen stark davon ab wie oft du durch Flüsse fährst und bei Regen/Schnee unterwegs bist.
 
Motorrad fahren für Anfänger
Der jährliche Wechseln von Luftfilter, Kühlwasser, Gabelöl, Getriebeöl und Bremsflüssigkeit bei Motorrädern und PKW ist ansonsten weder nötig, noch gesetzlich vorgeschrieben. Hier wird Anfängern gerne mit den Worten Sicherheit und dem Schreckensszenario der Dampfblasenbildung das Geld aus der Tasche gezogen. Tatsächlich kommt es darauf an, wie häufig das Motorrad wirklich gefahren wurde.
 
Den Filter sollte man nach staubigen Strecken täglich ausblasen. Solche Strecken fahren aber nicht mal 1% der "Motorradfahrer".
Kühlwasser mit Frostschutz muss einfach zur Genüge vorhanden sein und darf nicht ölig sein (Zylinderkopfdichtung).
 
Ich habe es noch nie geschafft meine Bremsanlage soweit zu erhitzen, dass eventuell durch das hermetisch abgedichtete Material der Bremsschläuche hindurch diffundiertes Wasser (Siedepunkt auf Meereshöhe 100 Grad) trotz des hohen Drucks verdampfen und dadurch zu einem komprimierbaren Gas werden würde, obwohl ich es wirklich darauf angelegt habe. Viel wahrscheinlicher sind durch falsche Benutzung überhitzte und dadurch verglaste Bremsbeläge mit kaum vorhandenen Reibwerten. Bei längeren Bergabfahrten sollte man immer in einen niedrigeren Gang schalten und die Bremskraft des Motors nutzen.
 
Auch fahren im Winter ist kein Problem. Lenkerstulpen halten den eisigen Wind wirkungsvoll von den Händen ab und gute Klamotten halten die Wärme.
Nach der Fahrt sollte man das Motorrad nicht waschen. Wasser dringt in alle Spalen ein und dehnt sich beim anschliessenden gefrieren aus. Ausserdem mag ein heisser Motor eh keine Schockdusche mit kaltem Wasser. Das teilweise abgekühlte Metall zieht sich zusammen und sorgt intern für heftige Spannungen, die Dichtungen beschädigen und Risse bilden können. Ich habe noch nie von einem Motorrad gehört, dass wegen Salzschäden verschrottet werden musste. Nach 20 Jahren oder 400.000 km verreckt eh der Motor etc., da mach ich mir um das Salz keine Sorgen. Ich lass mein Motorrad lieber regelmässig vom Regen waschen.
Wie immer gillt: alle Angaben ohne Gewähr!
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