Reifentest und welcher Reifen ist in Deutschland überhaupt erlaubt?


 

Reifentest

Wie bei fast allem, gibt es auch bei Reifen die verschiedensten Modelle. Da ist es gar nicht so einfach, den zur Person passenden Reifen zu finden. Da sowohl die Werbeversprechen der Hersteller, als auch die vielen bunten Diagramme in Zeitschriften einfach mal gar nichts über die Eignung des Reifens im Alltag aussagen, habe ich mal konsequent die bekanntesten Reifen auf dem Weg zur Uni, zur Arbeit, zum Einkaufen und auf Reisen getestet und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Am günstigsen bekommt man sie hier.
 
Am coolsten aussehen tut der Klassiker Continental TKC80. Der perfekte Reifen für Poser. Dieser Reifen hat bei mir allerdings keine 5000 km und damit nur 2 Wochen gehalten. Dabei ist er sogar bei noch viel schwereren und stärkeren Maschinen eines grossen deutschen Herstellers vermutlich auf Grund seines wilden Aussehens ab Werk montiert. Vor allem auf hartem und steinigem Untergrund "schmilzt" das Profil dahin und es können beim Gas geben auf starken Maschinen wie der KTM 690 sogar ganze Stollen ausreissen. Einzig positiv: Es gibt ihn mit dem im Winter bei Schnee vorgeschriebenen M+S Symbol.
Der Pirelli Scorpion MX verhält sich meiner Meinung nach ähnlich. Wirklich brauchen tut man ihn nur, um mit leichten Enduros im Sand mehr Traktion zu erhalten, als die Schwerkraft und eventuelles Gepäck bringt.
Den Metzeler Karoo durfte ich damals in der gleichnamigen Wüste in Südafrika fahren. Er hielt immerhin 7000 km. Gut für einen Stollenreifen.
Für die Strasse nutzen viele Menschen den Metzeler Tourance. Er hat zwar ein für die Strasse ausgelegtes Profil, besteht meiner Meinung nach jedoch aus viel zu weichem Gummi, dass seine Stärke nur bei Regen ausspielen kann. Bei der daraus resultierenden geringen Haltbarkeit von bei mir nur 9000 km und dem relativ hohen Preis, wird man mit ihm zum Freund des Reifenhändlers.
Leider hielt der Konkurrenzreifen Michelin Anakee auch nicht länger, obwohl ich das von dem teuersten Reifen im Test, der mit "höhere Kilometerleistung" und "Technologie aus dem Rennsport" beworben wird, erwartet hätte. Für trockene Strassen ist er einfach zu weich. So erkauft man sich also die Aussage: "Nassgrip auf hohem Niveau".
Der Bridgestone Trailwing schaffte es immerhin auf rund 10.000 km. Erstaunlicherweise nutzte sich der Vorderreifen an der Seite viel stärker ab, als die beiden vorherigen.
Die Industrie verdient einfach besser und propagiert daher weniger haltbare Reifen. Zum Glück gibt es trotzdem auch andere.
Für längere Reisen auf und abseits vom Asphalt eignet sich dagegen der Heidenau K60 Scout. Seine harte Gummimischung sorgt für eine Reichweite von ca. 15.000 km, vor allem wenn man ihn im Ausland richtign runter fährt und nicht schon wie in Deutschland vorgeschrieben vorzeitig weg schmeisst.
Übertroffen wird er nur durch den Mitas E-07, bei dem erst nach ganzen 25.000 km von Deutschland bis nach Südafrika das Gewebe sichtbar wurde. Neben einer harten Gummimischung ist der durchgehende Steg in der Mitte der Lauffläche für die lange Haltbarkeit verantwortlich. Er nutzt sich nur sehr langsam ab, während die Seitenstollen in Kurven für Halt sorgen, bis die Fussrasten Funken sprühen. Dass die harte Gummimischung nach vielen tausend Kilometern zur Rissbildung neigt, ist ein rein optisches "Problem", ohne Einschränkung der Funktion des Reifens. Seine Karkasse wird nicht durch das Gummi sondern durch Metall zusammen gehalten.
Da der Mitas E-07 ausserdem der günstigste Reifen ist, gewinnt er diesen kleinen Alltags Reifentest.
 

Welche Reifen darf man fahren?

Das kommt in Deutschlang ganz drauf an, was in den Papieren steht. Bei (meist älteren) Motorrädern steht als Einschränkung wie im Beispiel zu sehen oft nur die Reifenbreite "130" mm, die Reifenhöhe "80" mm, und der Last "65" für 290 kg bzw. Geschwindigkeitsindex "S" für 180 km/h so wie die Bauart "-" bzw. keine Angabe für Diagonalreifen oder "R" für Radialreifen (ZR für verstärkte Radialreifen) (beides gleichzeitig geht also nicht) und die Radgrösse "21" Zoll drinne.
 
Beispiel 1: 90/90-21 54S und 130/80-17 65S
 
Diese Motorräder dürfen dann alle Reifen mit mindestens 1,6mm Profiltiefe fahren, die dieser Vorschrift entsprechen, auch wenn sie verschiedene Profile haben oder von unterschiedlichen Herstellern kommen. Das macht Sinn, denn Vorderreifen und Hinterreifen sind bei Motorrädern auch so bereits völlig unterschiedlich.
Der Lastindex und der Geschwindigkeitsindex dürfen grösser sein als angegeben.
Den Geschwindigkeitsindex kann man umgehen, wenn man bei M&S oder Winterreifen einen Aufkleber mit der zulässigen Geschwindigkeit der Reifen ins Cockpit klebt. In Italien ist dieses im Sommer nicht zulässig.
 
Bauartliche Mischbereifung auf einer Achse ist nach § 36 Absatz 2 a der StVZO verboten, auf verschiedenen Achsen jedoch erlaubt.
 
Beispiel 2: 90/90-21 und 130/80R17
 
Damit dürfen nach deutschem Recht zugelassene Motorräder auch bauartliche Mischbereifung wie beim Bridgestone Trial-Wing oder Michelin Anakee nutzen. Durch das Weglassen der bauartlichen Einschränkung "-17" ist hier also "D17" und "R17" und damit beides erlaubt. Eine extra Freigabe brauchen diese dafür nicht.
 
Für Fahrzeuge, die seit 1998 nach EU Recht zugelassen sind, gillt jedoch die Richtlinie R75. Diese schreibt beim Weglassen einer Angabe "keine Angabe"17 automatisch Diagonalreifen vor und verbietet damit die Verwendung von Radialreifen, ohne anders lautende Freigabe:
 
Die EU Richtlinie R75 "Bedingungen der Genehmigungen für Luftreifen für Krafträder" besagt
3.1.3. die Angabe der Reifenbauart wie folgt:
3.1.3.1. bei Diagonalreifen keine Angabe oder den Buchstaben "D",
3.1.3.2. bei Gürtelreifen mit Diagonalkarkasse (bias belted) den Buchstaben"B" vor der Angabe des Felgendurchmessers und wahlweise zusätzlich die Worte"BIAS-BELTED",
3.1.3.3. bei Radialreifen den Buchstaben "R" vor der Angabe des Felgendurchmessers und wahlweise zusätzlich das Wort "RADIAL",

 
Vermutlich ein Flüchtigkeitsfehler der EU Politiker, die solche weltfremden Vorschriften ohne Ahnung von Motorrädern fabrizieren. Die Bauart des Reifens sieht und spührt man beim Fahren nicht. So ein Fehler kann jedoch einen vernünftig handelnden Motorradfahrer, der den Unterschied der Zulassungsart nicht beachtet, in den Knast bringen. Auch viele nach EU Recht zugelassene Autos sind damit bei gleicher Schreibweise der Reifengrösse in den Papieren genau genommen illegal unterwegs.
 
Wenn in den Papieren eine Einschränkung wie "Reifenpaarung nur von einem Hersteller" oder gar ein Herstellername oder nur ein Reifentyp (=Reifenbindung bzw. Markenbindung) selber steht, muss man für alle anderen Reifenkombinationen in Deutschland immer eine seperate Reifenfreigabe der Hersteller mitführen. Diese wiederrum stellen die Freigaben aus wirtschaftlichen Gründen natürlich nur für Kombinationen aus der eigenen Produktpalette aus. Ob es hierbei um die Sicherheit oder um mehr Geld geht (Eine Reifebindung führt u.U. dazu, dass man gute Reifen wegschmeissen muss, wenn einer des freigegebenen Paares abgenutzt ist), darf jeder für sich entscheiden.
 
All diese Informationen finden sich neben der erlaubten Getriebeübersetzung etc. in der über hundert Seiten dicken Betriebserlaubnis des Fahrzeuges beim Kraftfahrtbundesamt, auf die der TÜV zugreifen und sie einem als kleinen Kundenservice ausdrucken kann (Beispiel ABE Nr. E512 der Honda Deutschland GmbH für die Honda Transalp). Die erlaubten Reifengrössen standen auch in den alten Fahrzeugpapieren, sie sind aber aus den neuen EU Fahrzeugpapieren bei Polizeikontrollen nicht mehr ersichtlich. Hier kann das Mitführen der alten, ungültig gestempelten Papiere oder einer Kopie vor unnötigem Ärger schützen.
 
Nach § 19 II 2 Nr. 2 StVZO erlischt die Betriebserlaubnis eines Fahrzeuges, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist. Dazu sagt das OLG Düsseldorf Beschluß vom 21.8.1996 (2 Ss (OWi) 240/96 - (OWi) 91/96 II). Die bloße Möglichkeit einer Gefährdung genügt danach nicht. (Quelle)
Ein Erlöschen der BE i. S. d. § 19 Abs. 2 Nr. 2 StVZO ist somit nur möglich, wenn durch eine Änderung eine abstrakte Gefahrenlage begründet ist. Selbst wenn ein Bauteil, das der Bauartgenehmigung unterliegt (§ 22 a StVZO) durch ein nicht genehmigtes Bauteil ersetzt wird, lässt sich daraus nicht grundsätzlich eine abstrakte Gefahr herleiten. Vielmehr ist eine solche am konkreten Einzelfall festzumachen. (Quelle)

 
Es müssen in Deutschland jedoch auf jeden Fall Luftreifen sein StVZO § 36 Abs. 2. Schaumfüllungen die nie platt werden, wie bei der Rallye Dakar, scheiden damit leider aus. Ebenso sind Spikes hier zu Lande selbst im Winter auf öffentlichen Strassen verboten. Damit ist es eine simple Risikoabwägung, ob man mit Spikes lieber ein Bussgeld oder ohne Spikes lieber sein Leben riskiert.
 
Schlimmer für den gesunden Menschenverstand zu ertragen als die Strafe ist jedoch die immer gleiche Lüge der Wegelagerer, "Es geht um ihre Sicherheit." Man darf aber keinesfalls wiedersprechen und seine Meinung über Beamte äussern, die einen zwingen die Spikes heraus zu drehen und die nächsten Kilometer gefährlich durch die Gegend zu rutschen, bevor mal sie wieder rein schraubt, um die letzten 200 km ebenfalls ohne Unfall hinter sich zu bringen. Ab der Grenze sind Spikes eh mit genau der gleichen Begründung, mit der sie zuvor verboten waren "es geht um ihre Sicherheit" in Österreich und der Schweiz wieder erlaubt.
 
Zum Glück erlaubt der §37 StVZO die Verwendung von Schneeketten, wie sie unter wunderlich.de angeboten werden, bis 50 km/h auch an Motorrädern in Deutschland. Leider haben jedoch viele Motorräder für diese legale Variante nicht genügend Platz an der Schwinge.
 
Die Winterreifenpflicht Gem. § 36 Abs. 1 Satz 3 StVZO "den Witterungsverhältnissen angepasste Bereifung" bzw "Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte" (=Eis und Schnee aber nicht bei normal schwarzer Fahrbahn) gillt nach Ansicht des Bundesverbandes der Motorradfahrer nicht für Motorräder (Quelle) , da § 2 Abs. 3a StVO für Kraftfahrzeuge gillt, Motorräder aber laut Begriffsbestimmungen 70/156/EWG Kapitel 1 Absatz 1 "Kraftfahrzeuge mit oder ohne Aufbau, mit mindestens vier Rädern und einer bauartbedingten Hoechstgeschwindigkeit von mehr als 25 km/h , sowie ihre Anhänger" nicht als solche definiert sind.
Die M&S Kennung ist nicht geschützt theoretisch darf die jeder auf seinen Sommerreifen braten. Viele Sommerreifen haben die auch nicht wegen Winter, sondern um damit den ansonsten vorgeschriebenen hohen Geschwindigkeitsindex der Fahrzeug mit Hilfe eines Aufklebers im Cockpit zu umgehen. Ausserdem gillt laut Anhang II Nr. 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG jeder Stollenreifen als Winterreifen, "bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem auf Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen".
 
Durch das Gesetz ändert also in der Praxis nichts, ausser dass die Versicherungen im Schadensfall nun eine weitere Möglichkeit haben, sich um die Regulierung, wofür man sie bezahlt, zu drücken. Das ist wie so viele Gesetze natürlich nicht im Interesse der Bürger, sondern eine perfekte Lobbyarbeit grosser Firmen.
 
In der Schweiz, Österreich und allen anderen Ländern der EU gibt es solche unsinnigen Reifenbindungen nicht und ausserhalb der EU lacht man über sich tot über die vorschriftshörigen Deutschen, die fahrbare Autos und Reifen mit 1,6 mm Profilreserve wegschmeissen, aber so viel über Umweltschutz reden.
 
Mit dem nationalen Verbot von M&S Reifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex im Sommer siehe oben verstösst Italien gegen EU Recht RICHTLINIE 97/24/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
 
1.4.1. Jeder Reifen, mit dem ein Fahrzeug normalerweise ausgerüstet ist, muß einen Kennbuchstaben für die Geschwindigkeitskategorie (siehe Anhang II Abschnitt 1.2.8) aufweisen, der mit der (vom Fahrzeughersteller angegebenen) bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs (einschließlich der bei Kontrollen der Übereinstimmung im Rahmen der Serienfertigung zulässigen Toleranz) oder der jeweiligen Belastungs-/Geschwindigkeitskombination (siehe Anhang II Abschnitt 1.27) vereinbar ist.
 
1.4.2. Diese Anforderung gilt nicht im Falle von Fahrzeugen, die normalerweise mit Normalreifen ausgerüstet sind und gelegentlich mit M + S-Reifen oder Mehrzweckreifen ausgestattet werden. In diesem Fall muß der Kennbuchstabe für die Geschwindigkeitskategorie der M + S-Reifen bzw. der Mehrzweckreifen einer Geschwindigkeit entsprechen, die entweder höher ist als die (vom Fahrzeughersteller angegebene) bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs oder nicht niedriger als 130 km/h (oder beides). Falls jedoch die (vom Fahrzeughersteller angegebene) bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs höher ist als die dem Kennbuchstaben für die Geschwindigkeitskategorie der M + S-Reifen bzw. der Mehrzweckreifen entsprechende Geschwindigkeit, ist im Fahrzeuginnern an auffallender Stelle im Sichtfeld des Fahrers ein Warnschild mit der zulässigen Geschwindigkeit der M + S-Reifen anzubringen.

 
Alle Angaben ohne Gewähr! Solange sich selbst Gerichte ständig wiedersprechen, gibt es eh keine Rechtssicherheit.



 
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